Mudra – eine spezielle Handhaltung

Beim ersten Mal lagen meine Hände ruhig auf dem Bauch, eine in der anderen, und zusammen haben sie einen kleinen Kreis gebildet.
Dieser Kreis fühlte sich an wie ein stiller Platz, den ich sonst nie bemerke.
Es war kein besonderes Gefühl – eher das leise Signal: Du darfst jetzt einfach hier sein."
– アオイ / Aoi

 

🤲 Hände als Teil deiner Körperhaltung

Auch deine Hände haben Einfluss darauf, wie du dich beim Meditieren fühlst. Haltungen der Hand (Hasta-Mudra, meist einfach „Mudra“ genannt) werden in verschiedenen Traditionen u.a. genutzt, um sich instinktive Verhaltensmuster bewusst zu machen, also z.B. ob man noch fokussiert ist oder durch Gedanken abgelenkt wird. So kann man zwischen Körper und Geist besser eine Verbindung herstellen und sich selbst bewusster werden. Das unterstützt deine Meditation.

Du kannst deine Hände natürlich einfach locker auf die Oberschenkel legen – das passt immer. Aber es gibt klassische Handhaltungen, die richtig helfen können und sich oft wie ein kleines Kraftfeld anfühlen ...

🪷Das Dhyana Mudra 

„Dhyana“ heißt einfach Meditation – es geht hier also um eine sehr verbreitete Handhaltung bei der Meditation. So geht`s (siehe auch Bild oben):  

  • Lege deine rechte Hand mit der Handfläche nach oben in deinen Schoß oder knapp unter deinen Bauchnabel.
  • Dann lege deine linke Hand in die rechte – die Finger liegen übereinander.
    (Wenn du Linkshänder:in bist: einfach andersherum probieren. Was sich besser anfühlt, zählt.)
  • Lass die Daumen sich leicht berühren – kein großer Druck, nur ein ganz sanfter Kontakt.
  • Liegen deine Hände höher (z. B. in Nabelhöhe), macht das deinen Oberkörper wacher und aufrechter, liegen sie tiefer im Schoß, wird die Haltung entspannter.
  • Beim Atmen spürst du, wie sich der Bauch hinter deinen Händen bewegt – das aktiviert das Zwerchfell und stärkt das Körpergefühl in der Mitte deines Körpers (im Zen spricht man vom Hara, dem inneren Kraftzentrum). 

Es gibt zwei Varianten:

  1. Die Daumen liegen eher horizontal.
  2. Die Daumen wölben sich etwas nach oben und bilden zusammen mit den Händen ein leicht nach vorne geöffnetes Oval. 

👀 Was deine Daumen über dich verraten

Beobachte mal die Daumen – die zeigen oft, wie du gerade drauf bist:

  • Daumen sinken ab → du wirst müde.
  • Daumen zeigen steil nach oben → dein Geist springt herum, du denkst viel.
  • Daumen spannen sich → du bist zu angespannt.

Du kannst das aber auch bewusst steuern:

  • ein bisschen mehr Daumendruck → mehr Wachheit
  • ein bisschen weniger → mehr Entspannung

Die anderen beiden Mudras kennst du sicherlich von Bildern und Videos, die sind auch sehr kraftvoll.

🧘‍♂️ Das Jnana Mudra

"Jnana" bedeutet Wissen, Erkennen. 

  • Bringe Zeigefinger und Daumen zusammen
  • Die Fingerspitzen können aufeinanderliegen. Wenn es dir schwerfällt, das zu halten, kannst du die Zeigefingerspitze bis zur Daumenwurzel einrollen.
  • Entspanne die anderen Finger
  • Bringe die Hände mit der Handinnenfläche nach unten auf die Knie bzw. Oberschenkel

Nach der yogischen Tradition bewirkt dieses Mudra mehr Ruhe und soll Weisheit bringen. Der Daumen symbolisiert das kosmische Bewusstsein (Brahman), der Zeigefinger das individuelle Selbst (Jiva). Die Verbindung stellt die Einheit von individuellem und universellem Selbst dar.

🌸 Das Chin Mudra

"Chin" kommt von "Chit" und bedeutet Bewusstsein. 

  • Halte die Finger wie beim Jnana Mudra.
  • Bringe deine Hände wieder auf die Knie oder Oberschenkel. Lass nun die Handinnenflächen nach oben

Diese Haltung bewirkt durch die Drehung der Hände nach oben eine kleine Bewegung nach außen in deinen Schultern. Spürst du sie? Dadurch wird dein Brustbereich weiter, oftmals kann man so besser atmen und sitzt aufgerichteter, stabiler und zugleich leichter. Manchmal fühlen wir uns dadurch auch aktivierter. Es ist eher eine empfangende Haltung, was zugleich das individuelle Bewusstsein und Klarheit schärfen soll.

🫶 Wie du siehst

Dein Körper und dein Geist arbeiten hier Hand in Hand. Im wahrsten Sinne. 😉

📚 Literatur

Saraswati S., übers. Prakashananda S.: Asana Pranayama Mudra Bandha. Ananda Verlag; 2019: S. 422ff.

 

 

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