ワサワサ     |     wasawasa    |     Durcheinander

3 Tage vorher ...

Laptop auf den Knien.

Schulbuch daneben.

Er scrollte.

Las einen Satz.

Noch einmal.

Und noch einmal.

 

Der Blick flackerte zum Phone.

Ein Ping.

Ein Gedanke – schon woanders.

 

Referatsthema:

Aufgabenverteilung im japanischen Haushalt.

Langweilig. Bedeutungslos. Leer.

 

Eigentlich hatte er sich noch abstimmen sollen,

mit Kaito.

Aber dazu war keine Zeit mehr.

 

KI-Fenster auf.

Prompt rein.

Absenden.

Zwei Sekunden.

Fertig.

 

Perfekt.

Besser als er es jemals hinbekommen hätte. 

Kurz atmete er auf.

 

Aber –

da, die Stimme des Lehrers im Kopf:

 

„Haltet das Referat auf jeden Fall frei.“

 

Also kein Zettel, kein Ablesen.

Nur ich.

Vor allen.

Allein, da vorne. 

 

Safe schlechte Note.

Zeugnis = Katastrophe.

Auch Klausur fertig kriegen das wär’ mal cool.

Haha. Als ob.

 

Aois Herz stolperte etwas.

Die Finger zitterten.

Sein Magen zog sich zusammen.

Er schloss die Augen.

 

Das schaffe ich nicht.

 

Er klappte den Laptop zu,

versuchte, es auswendig zu lernen.

 

Erster Satz

– abgebrochen.

Zweiter Satz – weg.

Er klappte das Display wieder hoch.

So ging es eine Weile.

Auf.

Zu.

Ein Satz.

 

Leere.

Er setzte sich auf den Bettrand.

Checkte Makenas Post.

Viele Likes.

Viele Comments.

Er wusste nicht,

was er kommentieren könnte.

 

Seit dem verkorksten Gespräch mit ihr

am Fahrradständer vor der Schule. 

herrschte Funkstille.

 

Hättest du Idiot das nicht versaut!

Was Blöderes ist dir als Gesprächseinstieg nicht eingefallen, wie:

„Was hörst du für Musik?“!

Echt jetzt?

Und dann mein Rumgestammel!

 

Todmüde,

aber unter Strom.

Schon wieder zu lange gescrollt.

 

Er legte sich hin.

Zog die Decke ans Kinn.

Hinter den geschlossenen Augen:

Memes, Selfies, Werbung –

alles flackerte durch.

 

Er dachte an morgen:

allein vor der Klasse.

Mit Stichen im Magen

wälzte er sich hin und her –

Sonnenstrahlen fielen durch die Jalousie.

Staub tanzte.

Aoi kniff die Augen zu.

Das Licht nervte.

Aber irgendwas in ihm blieb wach.

 

Schritte auf dem Flur,

eine Tür schlug,

klirrendes Frühstücksgeschirr.

Er sollte aufstehen.

Dreimal auf Schlummern getippt.

Aber er bewegte sich nicht.

 

An der Wand ein kleiner Riss.

 

Da ist er wieder.

 

Wie jeden Morgen.

Als würde er warten.

 

Ich habe keinen Bock.

Null, komma, Null.

 

Es ist einfach zu viel.

Oder zu wenig.

Oder beides.

 

Er drehte sich zur Seite.

Das Gesicht ins Kissen.

 

Brutales Klopfen.

„Aufstehen!“

Seine Schwester!

Natürlich.

Die Küche roch nach kaltem Reis.

Am Tisch saß Mutter,

der Rücken kerzengerade,

die Beine parallel.

 

Ein Sudoku vor sich.

Immer dieselbe Marke.

Immer dieselben Regeln.

Als wäre Ordnung das Einzige,

das nicht enttäuscht.

 

Für ihn: zwei frische Onigiri

auf einem kleinen Teller.

Dreieckig, mit Algenblatt.

 

Kaffee!

„Guten Morgen!

Hast du zur ersten Stunde?“

 

Aoi brummtr etwas

und setzte sich.

 

Jetzt erstmal Koffein!

Das wird’s bringen.

 

"Ich hoffe,

dass du nicht wieder die halbe Nacht

auf dein Handy geschaut hast!"

"Alles gut. Entspann dich!"

"Du hast doch heute dein Referat, oder?"

"Mama! Alles im Griff!"

Die Neonröhre flackerte.

Ein nervöses Surren –

als wäre ein Insekt gefangen.

Aoi starrte aufs Smartboard.

„Merkantilismus im 17. Jahrhundert“

Irgendein Pfeil von Frankreich nach England.

 

Drei Namen,

die er noch nie gehört hatte

und morgen garantiert wieder vergessen würdr.

 

Frau Morimoto redetr über Handelsbilanzen,

als würde das irgendwen wachhalten.

Aoi blinzelte.

Die Buchstaben verschwammen.

Es fühlte sich an,

als wäre sein Kopf mit Watte ausgefüllt –

und irgendwer schüttete langsam Zement drüber.

Drei Reihen vor ihm,

aber in einem anderen Universum: Makena.

Ihre langen Haare glänzen.

 

Sie ist immer fröhlich,

hat viele Leute um sich.

Und sie tanzt,

fast professionell.

 

Aber an einem Smogtag,

bekam sie mal einen Hustenanfall:

Sie stützte die Unterarme auf, atmete tief –

langsam, gleichmäßig.

 

In der Pause

hatte Aoi sie im Gesundheitsraum gesehen

durch die halboffene Tür.

 

Aoi hat angefangen,

sie immer mehr zu mögen.

Besser gesagt:

Er dachte fast pausenlos an sie.

Sein Blick wanderte zum Fenster.

Draußen:

Frühling.

Drinnen:

ein Jahrhundert,

das ihn nichts anging.

 

Nächste Stunde das f**cking Referat.

„Aoi. Du bist dran.“

 

Er stand auf.

Die Hände leer.

Der Kopf leer.

Kein Papier.

Kein Plan.

Nur er.

 

Und vorne links Hana

klopfte mit einem Stift,

irgendeinen nervigen Rhythmus.

Er spürte, wie Blicke ihn trafen.

Ein Rauschen im Kopf.

Ein Ziehen im Magen.

Die Luft: zu dünn.

Okay, ruhig bleiben.

Du hast deinen Text drauf.

Du hast ihn geübt –

ein bisschen – oder?

 

Er atmet ein.

„Also … uun …“

Seine Stimme wackelte.

„In japanischen Haushalten …

werden die Aufgaben …

uun … verteilt.“

Sein Herz hämmerte.

Der Mund wurde trocken.

Ein Wort.

Noch eins.

Fremd.

Nicht seins.

Kichern.

Flüstern.

 

Sie lachen mich aus.

Natürlich.

 

Aoi spürte,

wie Hitze ins Gesicht schoss.

Die Hände schwitzten.

Sein Brustkorb wurde eng.

Er atmete flach.

Ihm wurde schwindlig.

 

Verdammt, verdammt …

 

„Sorry“, murmelt er.

 

Ich will hier weg.

 

Seine Hände bilden Fäuste.

Er schaut auf.

Sieht Makena.

Lacht sie über mich?

Auch sie?

 

Sie darf mich nicht so sehen.

Nicht sie.

Etwas in ihm riss.

 

Er murmelte einen Schlusssatz – viel zu früh.

 

„Danke.“

 

Er setzte sich.

Die Ohren rauschten.

Das Herz raste.

 

Er hatte es schon mal erlebt,

so etwas ähnliches –

aber noch nie so heftig.

 

Was, wenn das immer mehr wird?

Wenn er aufgerufen wird und nichts kommt?

 

Er setzte sich auf seinen Platz. 

 

Gucken die?

Niemand sagt was.

Alle sind höflich.

Aber sie denken es.